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Medizinische Gründe nicht relevant für Unfälle

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Die Frage nach der Sinnhaftigkeit medizinischer Untersuchungen rückt wieder in den Mittelpunkt.
Es existiert eine Studie der AOPA in der medizinische Ursachen bei 0,36% der Zwischenfälle mit Luftfahrzeugen wie sie auch hier in der Sportfliegerei Verwendung finden, ein Rolle spielen. Die Zahlen stammen aus einem Land, in dem die medizinischen Anforderungen extrem gering sind. Auf Luftfahrzeugen, auf welchen keine medizinische Tauglichkeit gefordert ist, verbucht dieses Land dagegen nur 0.33% der Unfälle auf medizinische Ursachen. Man kann sagen: "Statistisch nicht relevant". Das Bundesministerium für Verkehr sowie der deutsche Bundestag bestätigen die Zahlen der AOPA Studie.

In einem Auszug eines Schreibens vom Bundesministerium für Verkehr (BMVBW) werden die geringen Unfallzahlen aufgrund medizinischer Ursachen bestätigt, hierzu schreibt Herr Wittmann aus Bonn am 23.01.04
(Az LS 1 7(23.85.OO-08/O0296746-LMB):

"Statistische Aussagen zum Zusammenhang zwischen Tauglichkeìtsuntersuchungen und Unfallhäufigkeît für den Bereich des Segelflugs sind hier nìcht bekannt, machen auch wegen der in Deutschland glücklicherweise generell geringen Unfallzahlen keinen Sìnn. Selbst Vergleìche mit Ländern, die überhaupt keine Tauglichkeìtsuntersuchungen - in Abweichung von ICAO - kennen, werden wegen der statistisch nìcht verwertbaren geringen Unfallzah1en keìne Aussagen in Ihrem Sinne ermöglíchen."

Weiterhin hat eine entsprechende Nachforschung kein geringerer als der deutsche Bundestag durchgeführt: Der Petitionsausschuss schreibt hierzu im Januar 2005:

Vergleiche mit Ländern, die überhaupt keine Tauglichkeitsuntersuchung - in Abweichung von Standards und Empfehlungen der Internationalen Organisation für Zivilluftfahrt (ICAO) - kennen, werden wegen der statistisch nicht verwertbaren geringen Unfallzahlen keine verlässlichen Aussagen ermöglichen."

Kommentar:
In Deutschland wird aus diesem Grund über medizinische Ursachen keine extra Statistik geführt, auch hier wird offiziell von einem Anteil von unter 1% ausgegangen. Die eigentlich relevanten Ursachen für 99% der Unfälle sind 'Human Factors', sprich Überschätzung durch mangelndes Können, mangelnde Übung, 'Übertretungen' wie Einflug in Schlechtwetter, Flüge nach Sunset, Überladen, Spritmangel, sowie technisches Versagen.


AOPA Studie, Quelle: http://www.aopa.at/news/aug02.htm
MEDICAL CERTIFICATION: DOES IT PREVENT ACCIDENTS?

A just-completed AOPA Air Safety Foundation analysis of U. S. accidents caused by medical problems shows no meaningful correlation between FAA medical certificate requirements and GA accident rates.

ASF researchers analyzed 37,946 general aviation accidents that occurred from 1983 - 2000, involving fixed wing aircraft under 12,500 pounds gross weight and operated under FAR Part 91 general flight and operating rules. All such aircraft require a valid FAA medical certificate for the pilot in command. Of that total, they found 137 accidents caused by medical incapacitation, for a rate of just 0.36%, slightly over one-third of one percent (heart attacks were the most common accident cause.)

A similar study conducted by the FAA of accidents in gliders and balloons (whose pilots are not required to have a valid medical certificate), found only two medically-induced accidents in the ten-year period from 1990 - 2000. With a total of 609 glider and balloon accidents shown in the ASF database for that period, the no-medical-certificate required rate works out to 0.33%, slightly lower than that for pilots requiring an FAA medical certificate.

Deutsche Übersetzung:
MEDIZINISCHE BESCHEINIGUNG: VERHINDERT SIE UNFÄLLE?
Eine gerade-abgeschlossene AOPA-Luftsicherheits-Grundlagenanalyse der US-Unfälle, die durch medizinische Probleme verursacht werden, zeigt keine sinnvolle Wechselbeziehung zwischen Anforderungs- und GA-Unfallquoten des ärztlichen Zeugnisses FAA.
ASF-Forscher analysierten 37.946 allgemeine Luftfahrtunfälle, die von 1983 - 2000 auftraten, mit Flächenflugzeug unter 12.500 Pfund Bruttogewicht, welche unter die allgemeinen Betriebsregeln der FAR Teil 91 fallen.
Diese Flugzeuge erfordern ein gültiges ärztliches FAA Zeugnis für den verantwortlichen Piloten. Von der Gesamtmenge, fanden sie 137 Unfälle verursacht durch medizinische Unfähigkeit, für eine Rate von gerade 0,36%, etwas über Drittel von einem Prozent (Herzattacken waren die allgemeinste Unfallursache).
Eine ähnliche Studie, die durch das FAA von Unfällen mit Segelflugzeugen und Ballonen geleitet wird (deren Piloten nicht angefordert werden, ein gültiges ärztliches Zeugnis zu haben), fand nur zwei medizinisch-verursachte Unfälle in der zehnjährigen Periode von 1990 - 2000.
Mit einer Gesamtmenge von 609 Segelflugzeug- und Ballonunfällen, die in der ASF-Datenbank während dieser Periode gezeigt wurden, hatten diese Länder, die keine medizinische Tauglichkeit fordern, nur 0,33%, also etwas geringere Unfallraten, als die Piloten, die ein ärztliches Zeugnis der FAA benötigen.

Abschliessender Kommentar: Die häufigsten Unfälle aufgrund medizinischer Ursachen sind selbst mit zyklischen Tauglichkeitsuntersuchungen nach ICAO Standard nicht zu verhinden. Die JAR FCL 3 Tauglichkeit liegt in der internationalen Anerkennung übrigens weit darunter.

ev
Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 05. Juni 2005 um 18:54 Uhr